Geschichte der
Freien evangelischen Gemeinde Trittau

Die Freie evangelische Gemeinde Trittau blickt auf eine weit über 100 jährige Geschichte zurück. In einem Bericht aus dem Jahr 1907 heißt es: “In Trittau und Umgebung wird seit 1892 evangelistisch “gearbeitet”.

Das waren Bibelstunden, genannt “Stunden”, sie fanden in Privathäusern statt. Der Beginn dieser Arbeit wird Iversen in Sonderburg, Sparkassenschreiber in Trittau, zugeschrieben. Es gab einen “Verein für Innere Mission in  Schleswig-Holstein” bereits seit 1874. Es ist anzunehmen dass dieser Verein das Initial für Sonderburg war.

In Hamburg brach 1892 die Cholera aus und die in Hamburg lebenden Menschen suchten plötzlich nach Gottes Antworten. Um die Frömmigkeit stand es in Hamburg sehr schlecht, man spricht von einem aggressiven Atheismus. Es gibt zwar eine Stadtmission welche aber total überfordert war und eine kleine Gemeinde der Baptisten; diese wurde zeitweise sogar von Staatswegen verfolgt.

Das ist die Geburtsstunde der Gemeinschaftsbewegung deren Initiator Jasper von Oertzen war, nach einer “folgenreichen” Begegnung mit Johannes Hinrich Wichern (Rauhes Haus).

J.v. Oertzen holte Pastor Röschmann nach Hamburg und unter der Arbeit der beiden entstand eine Evangelisationsarbeit, daraus dann die Hamburger Gemeinschaft “Philadelphia”. Später hatte diese Gemeinschaft ein Haus an der Straße Holstenwall 2, viel später an der Nr. 21, die Leitung hatte Pastor Röschmann, ab 1902 Johannes Rubanowitsch.  Aus dieser Gemeinschaft ging das Diakoniewerk “Elim” hervor und 1918 wurde Friedrich Heitmüller Direktor und Leiter dieser Arbeit. Außerhalb Hamburgs arbeitete man vielerorts gemeinsam mit dem “Verein für Innere Mission in  Schleswig-Holstein” zusammen, so auch im Raum Trittau, Grande, Hamfelde, Mühlenrade, Schönberg u.a.m. waren dabei. Es waren Wanderprediger und auch Ortsansässige Evangelisten, wie es heute unter dem Begriff “Zeltmacher” verstanden wird. Bereits 1924 beschloss man, auf dem Grundstück der Familie Hafemann in der Hamburger Straße 12 einen Gemeindesaal zu bauen. Die Muttergemeinde in Hamburg am Holstenwall unterstützte das Vorhaben (wohl auch finanziell). 5. Juli 1925 fand die Einweihung durch Pastor Friedrich Heitmüller statt.  Zit.: „Der etwa 150 Personen fassende Saal war voll besetzt, viele saßen unter den offenen Fenstern und der Tür, wozu das Wetter auch einlud!“

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Weihespruch war Luk. 2, 14.  “Gott im Himmel gehört alle Ehre; denn er hat den Frieden auf die Erde gebracht für alle, die bereit sind, seinen Frieden anzunehmen.”

1934 verließ Pastor Heitmüller mit der “Philadelphia-Gemeinschaft” den Gnadauer Verband und schloss sich dem Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland an. Damit hatte auch Trittau eine Freie evangelische Gemeinde.

Zum Ende des zweiten Weltkrieges kamen viele Flüchtlinge in Trittau unter. Die Einwohnerzahl stieg von 2500 auf 7500 an. Der Grund war, dass Trittau unzerstört geblieben war. Im Gemeindesaal sollen 30 bis 40 Menschen “gewohnt” (auf Strohsäcken geschlafen) haben. Einige gingen später eine verbindliche Mitgliedschaft ein.

An den Aufbau einer Gemeinde hat in dieser Zeit wohl kaum jemand gedacht, aber schon 1946 bekam die Gemeinde einen vollzeitlichen Pastor: Alfred Heling. Ihm zur Seite stand die Elim-Diakonisse, Schwester Emmi Staratzki, an die sich wohl mancher alte Trittauer noch erinnern wird.

Bald stand auch wieder der Saal zur Verfügung, und an Sonntag-Nachmittagen wurden Gottesdienste mit 50 – 70 Menschen gefeiert, es waren zum großen Teil Flüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen. Die Gegend konnte aber die vielen zugewanderten Menschen nicht ernähren und so wanderten viele wieder ab. Die Gemeinde wurde kleiner und kleiner. 1963 und dann noch einmal 1981 wurde erwogen die Arbeit in Trittau einzustellen, der Gottesdienstbesuch sank auf 12 bis 15 Personen. Kaum jemand hielt eine Wiederbelebung der Gemeindearbeit noch für möglich, aber nicht alle gaben auf.

Organisatorisch  gehörte die Gemeinde zum Sachsenwaldkreis (Bergedorf, Schwarzenbek u.a.), ab 1968 zur FeG Ahrensburg. Das geschah durch die Berufung von Pastor Heino Greggersen aus Trittau nach Ahrensburg, der einfach “seine” Trittauer mitnahm. Von dort aus wurden die Trittauer von verschiedenen Pastoren betreut, auch wirtschaftliche Unterstützung kam aus Ahrensburg. 1981 wurde der “Saal” renoviert und modernisiert, er bekam “endlich” eine Toilette und eine “klitzekleine” Teeküche. Der Raum verkleinerte sich dadurch auf etwa max. 40 Plätze.

geschichte_hambgstr_grundrisseDie Gebetstreue wurde belohnt. Worauf man jahrelang hoffte geschah plötzlich: neue und junge Menschen kamen zu der Gemeinde hinzu. Einige kamen aufgrund persönlicher Einladungen, andere aufgrund eines Büchertisches auf dem Wochenmarkt, viele ohne vorher Kontakt zu freikirchlichen Christen gehabt zu haben. Seit 1983 stieg der Gottesdienstbesuch ständig an. Kinder- und Jugendarbeit fanden statt. Eine Mutter-Kind-Gruppe, ein Hauskreis und ein Mitarbeiterkreis wurden ins Leben gerufen. Für die parallel zum Gottesdienst stattfindenden Kinder-Gottesdienste war jedoch kein Raum; die Kinder gingen zuerst zur Schulstraße zur Fam. Meyer, später etwa 150m entlang der Hamburger Str. zu Frau Rahe. Dieses Wechselbad, Aufgeben wollen und die Belebung fiel in die Zeit von Pastor Gerhard Becker (1977…1986). Er war es auch, der eine Suche nach größerem Haus begann, jedoch ohne Erfolg.

Die ganze Zeit hoffte die Gemeinde, dass endlich die angekündigte Stichstraße zwischen den Grundstücken der Hamburger Str. und der Schulstr. komme. Als es dann fast soweit war erkennen die Verantwortlichen wie wenig Sinn das macht, denn die Grundstückpreise würden nie zu finanzieren sein. Also schaut man sich um… Zwei bereits näher in Betracht gezogene Gebäude taugen nicht für das Vorhaben aus verschiedenen Gründen, ob das dritte Aussichten hat? Es ist ein Wohnhaus mit angebautem Lagerraum, ein Edeka-Laden in der Lütjenseer Str. 19. Es wird wieder viel gebetet und kalkuliert, endlich jedoch finden alle ein “JA”. Schlüsselübergabe für das Gebäude ist am 14. Juni 1987, die Gemeinde feiert und blickt bange nach vorn. Der Umbau nimmt ein Jahr in Anspruch, viele unerwartete Situationen gilt es zu klären und ebensolche Rechnungen zu bezahlen, viele Schwielen an Händen machen Kummer und Sorgen und immer die Frage: “wird es gut ausgehen?” Der Einsatz der Gemeinde, ob Selbsthilfe oder Spenden, war enorm. Die Gemeinde in Ahrensburg half nach Kräften mit, Pastor Jürgen Leng (1986…1995) ist so engagiert dass er zwischen den Handwerkern und Arbeitern nicht als Pastor auszumachen ist; er darf das neue Haus für Trittau “mit erarbeiten” und für stabile Verhältnisse in Trittau einstehen. Auch die Vergrößerung des Ahrensburger Hauses fällt in “seine” Zeit.

Das Gemeindezentrum Trittau beinhaltet einen Saal mit 80 Plätzen, Räume für Gruppen- und Kinderarbeit und eine Wohnung. Am 5. Juni 1988 fand der erste Gottesdienst statt, am 12. Juni feierten 16 Jugendliche aus beiden Gemeinden die Beendigung des Biblischen Unterrichtes, 170 Gäste waren dabei. Am 19. Juni dann die Einweihungsfeier an der etwa 200 Gäste teilnahmen unter großem Interesse auch der politischen Gemeinde Trittau. Für die Einweihung wurde natürlich “zu klein” gebaut. Allerdings war das Wetter sehr schön, wie bei der Einweihung 1925, nur hatte man jetzt elektronische Unterstützung, Bildschirme und Lautsprecher. Dr. Ulrich Betz hielt als Leiter der Gesamtgemeinde die Laudatio.

Die Gemeinde arbeitet weiterhin evangelistisch, Zelttage waren mehrfach an der Reihe und zur 750 Jahrfeier Trittaus (1989) wurde eine Bibelausstellung im Haus installiert, viele Besucher haben sie gesehen, insbes. Schulklassen. In neuerer Zeit wird die Großevangelisation ProChrist via Satellit ins Haus geholt. Die Jugendlichen haben “ihre” Programme nach Altersstufen gestaltet, ganz neu ist die Christliche Pfadfinder-Gruppe “Die Dachse”. Sehr gut angenommen wird der “Mutter-Kind-Treff”. Die Bibel wird in Hauskreisen studiert und ein Gemeindeforum übernimmt diese Funktion im Gemeindezentrum.

Unterschiedliche Entwicklung der beiden Gemeinden, Ahrensburg und Trittau bewirkte eine organisatorische Trennung. Trittau ist seit 2003 eine selbstständige Gemeinde in der Stiftung Freie evangelische Gemeinde in Norddeutschland (Sitz Hamburg) und im Bund Freier evangelischer Gemeinden (Sitz Witten).

 

Gesammelt und nachgelesen von V. Smolny

Im April 2010

 

Quellen: Dr. U. Betz, Leuchtfeuer und Oasen; Archiv Stiftung FeGN; Archiv FeG Ahrensburg

Pastoren: Trittau ab 1946 A. Heling, H. Schröder, S. Schumann, H. Schulz, H. Pohlmann, R. Gutzmann, H. Greggersen bis 1968; Ahrensburg geht 1962 aus Bezirk Walddörfer hervor: E. Berg, W. Roch, P. Strauch, ab 1968 Ahrensburg/Trittau: H. Greggersen, O. Eggers, G. Becker, J. Leng, W. Seibel, J. Kugler (seit 2005)